So klappt der Start ins neue Gartenjahr

So klappt der Start ins neue Gartenjahr

Kannst du es auch kaum erwarten, ins neue Gartenjahr zu starten? Wie du die letzten Winterwochen nutzen kannst, um deine Pflanzen und den Boden vorzubereiten, erklärt heute Gartenbauexperte Dr. Lutz Popp vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege (BLGL). Und von mir gibt’s natürlich wieder jede Menge persönlichen Senf dazu!

Vorab: Auch wenn der Boden vielerorts noch gefroren ist und zuweilen sogar bis weit in den April hinein Schnee fällt, kannst du dennoch bereits einige Dinge für einen erfolgreichen Start in die neue Gartensaison tun.

Gut vorbereitet ist halb gepflanzt

Dr. Lutz Popp vom BLGL empfiehlt, nach und nach das letzte Wintergemüse von den Beeten zu ernten. Auch für eine Bodenanalyse ist zu Beginn des Frühjahrs die letzte Gelegenheit. Hierbei kannst du Bodenart, Nährstoffgehalt, pH-Wert und den Kalkbedarf ermitteln.

»Das Ergebnis bildet die Grundlage für anschließende Bodenverbesserungsmaßnahmen wie das Einbringen von Kompost oder Düngern«, erklärt der Gartenbauexperte.

Geldfresser Bodenanalyse?

Klingt hübsch. Ist auch sicherlich sinnvoll. Allerdings geht eine allumfassende Bodenanalyse ganz schön ins Geld. Ich habe mir für dich den Antrag auf die Analyse von Bodenproben von Haus- und Kleingärten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen angesehen:

Die Standard-Bodenuntersuchung kostet bereits EUR 29,50 je Probe. Möchtest du, beispielsweise vor einem Umzug oder vor dem Hausbau bzw. Hauskauf den Gartenboden auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersuchen lassen, kostet dich das je nach »Gift« nochmals EUR 226,10 bzw. EUR 196,35. Möchtest du weitere Bodeninformationen wie zum Beispiel über den Gehalt an Humus, Stickstoff oder Schwermetallen, bist du ganz schnell bei einer hohen dreistelligen, wenn nicht sogar vierstelligen Summe.

Ich denke, dass eine professionelle Bodenanalyse aus dem Labor wirklich nur vor vor einem Hausbau bzw. Hauskauf Sinn ergibt. Zumal diese alle fünf bis sechs Jahre wiederholt werden sollte. Alternativ kannst du die Bodenart auch im Selbsttest ermitteln. Der Fachhandel hält hierzu eine Vielzahl von Analysesets bereit.

Bodenprobesets – Nährstoffanalyse für Gartenböden

Ich gestehe, dass ich noch nie Gartenparameter wie den pH-Wert des Bodens oder den Gehalt an Stickstoff, Phosphor, Kali, Salzen, Humus oder Kalk gemessen habe. Ich verlasse mich auf meine Augen und meine Nase, »erspüre« den Boden in meinen Händen und achte ansonsten auf sogenannte Zeigerpflanzen.

Für Gartenneulinge kann das aber durchaus sinnvoll sein, gerade auch, wenn im Preis eines solchen Bodentestsets eine Düngeempfehlung enthalten ist. Solche Sets sind ab etwa EUR 50,00 zu haben.

Gartenutensilien & Werkzeuge

Während der letzten kalten Wochen ist auch Gelegenheit, um Gartengeräte, Pflanzgefäße, Rankgitter und Co. für die Saison vorzubereiten und beschädigte Utensilien bei Bedarf instand zu setzen.

Ich »motte« unsere Gartengeräte immer im Spätherbst ein und schreibe mir eine Liste mit Dingen, die ersetzt werden müssen und/oder die ich mir wünsche. So steht zum Beispiel eine Handsense auf meinem Wunschzettel (ab EUR 50,00). Nicht unbedingt nötig, aber im naturnahen Garten sehr praktisch. Im letzten Jahr habe ich mir eine Japanische Sichelhacke gegönnt und damit allerlei interessante Erfahrungen gesammelt. Dazu ein andermal mehr. Und heuer wollen wir uns unbedingt eine Pendelhacke zulegen.

Damit sind unsere Gartengeräte eigentlich komplett, wenn man von der ein oder anderen Gießkanne absieht. Tja … Und dann gibt es noch so spannendes Gartenzubehör wie ein Bodenthermometer oder einen Regenmesser. Beides laut Anbieter absolute Must-haves, für mich eher lustige Gimmicks. Kann man haben, muss man aber nicht. Da ich sonst eher minimalistisch gärtnere, werde ich mir dieses Vergnügen aber wohl in diesem Jahr gönnen. Wovon ich definitiv abrate: Pflanzlineale. Dazu in Kürze mehr.

Anbauplanung & Frühbeete

»Wer seine Anbauplanung bereits erledigt hat und schon weiß, welche Pflanzen er anbauen möchte, kann jetzt Saatgut bestellen und eventuell notwendige Frühbeete bauen«, sagt Dr. Popp. »Hier gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Denn gerade zu Beginn der Gartensaison können Samen beliebter Pflanzensorten auch im Fachhandel manchmal vergriffen sein.«

Für Frühbeete ist in unserem Gartenumschwung leider kein Platz. Immerhin haben wir »Deckel« für zwei unserer Tischhochbeete, die wir im letzten Jahr intensiv genutzt haben. Wer über ausreichend Raum verfügt, sollte sich aber jetzt über Frühbeete ernsthaft Gedanken machen, zumal diese ganzjährig als wetterfeste Beete genutzt werden können.

Den Garten auf Vordermann bringen

Oder auch auf Vorderfrau …

Die Vorbereitung des Gartens umfasst jedoch nicht nur eine gewissenhafte Anbauplanung, sondern auch die Pflege der Beete. Hierzu gehört, Gründüngung rechtzeitig flach einzuarbeiten oder zu kompostieren, den Boden mittels eines Sauzahns oder einer Grabegabel aufzulockern, die Oberfläche mit einem Kultivator zu bearbeiten und die passende Menge an Kompost auszubringen. »Ist der Boden gut vorbereitet, genügt es, ihn kurz vor der Aussaat noch einmal aufzulockern und einzuebnen«, sagt Dr. Popp.

Bei bereits im Garten wachsenden Pflanzen stehen vor dem Frühjahr noch diverse Pflegemaßnahmen an: Gartenfreunde sollten ihre Obstgehölze auf Schädlingsbefall prüfen und – im Idealfall bei Temperaturen nicht unter -5 °C – zurückschneiden, die Stämme zum Frostschutz kalken und dabei auch Fruchtmumien, Rundknospen, Misteln und weitere unerwünschte Parasiten beseitigen.

Inspiration: Mein Insektengarten

Doch aufgepasst! Nicht alles, was im herkömmlichen Gartenbau als »böse« angesehen wird, muss wirklich weg! Ich empfehle dringend einen Blick in den zauberhaften Gartenratgeber »Mein Insektenparadies: Tu was für Insekten im Garten! Mit den wichtigsten Dos & Don’ts: Gestalten, beobachten, schützen«, bevor du dich entscheidest, ob du in diesem Jahr naturnah gärtnern möchtest oder nicht.

»Außerdem sollten Gartenfreunde Unkraut und ungewollte Wurzelausläufer entfernen, bevor sie sich immer weiter ausbreiten. Im Frühjahr lassen sie sich noch vergleichsweise einfach herausreißen«, so der Tipp des Gartenbauexperten Dr. Popp.

Hier kann ich nur hoffen, dass wir es schaffen, den Wildwuchs unserer Brennnesseln einzudämmen. Ich liebe die Brennnessel ja grundsätzlich sehr! Sie ist nicht nur ein toller Lebensraum für Insekten, sondern auch nützlich im Garten und ein Genuss in der Küche. Doch leider hat es die wuchsfreudige Wildpflanze geschafft, fast die Hälfte unseres oberen Gartens zu erobern. Und das ist dann doch ein bisschen zu viel.

Warm eingemuckelt blüht es sich besser

Und bevor ich es vergesse: Pflanzen wie Stiefmütterchen oder Hornveilchen, die bereits früh im Jahr blühen, solltest du mit Gartenvlies gegen kalte Temperaturen schützen, solange es noch zu nächtlichen Frösten kommt.

Neue Pflanzen für den Garten

Alle, die von ihren Pflanzen Steckholz schneiden oder Ableger heranziehen möchten, sollten vor dem Frühling die letzte Gelegenheit dazu nutzen. »Viele Sträucher und Bäume lassen sich durch Steckholz vermehren. Dazu vollausgereifte Triebe von der Pflanze abschneiden, frostfrei lagern und im Frühjahr an einem halbschattigen Ort in humusreichen Boden stecken, sodass die Steckhölzer nur wenige Zentimeter aus der Erde ragen. Nach einigen Wochen bilden die Triebe Wurzeln und können umgepflanzt werden«, so Dr. Popp.

Ich habe heuer Stecklinge von allerlei Beerensträuchern geschnitten und bin gespannt, was daraus wird. Außerdem versuche ich, aus Zweigen, die ich via Too Good To Go für die Blumenvase ergattert habe, ebenfalls Nachwuchs zu ziehen. Ein aufregendes Experiment, über das ich dir bei Gelegenheit berichten werde.

Ableger

Für Ableger biegst du im Frühjahr einen vorjährigen Trieb in seiner ganzen Länge in eine etwa zehn Zentimeter tiefe Rinne und steckst ihn beispielsweise mit Drahtbügeln fest. Bei meinen Erdbeerkindeln und vielen anderen Gartenpflanzen funktioniert das übrigens auch ganz wunderbar mit kleinen Astgabeln, die ich eigens dafür sammele. So spare ich nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern verhindere auch, dass sich die Hunde beim Toben womöglich an Drähten und Co. verletzen.

Wenn der Austrieb der Augen auf dem liegenden Zweig etwa eine Handbreit über die Erdoberfläche reicht, kannst du die Rinne mit Boden füllen. Im Laufe des Jahres bilden sich an der Basis dieser Neutriebe Wurzeln, die du dann von der Mutterpflanze abtrennen und verpflanzen kannst.

Vorkultur

Wenn du deine Pflanzen nicht nur wie gerade beschrieben vegetativ, sondern auch generativ durch Samen vermehren möchtest, kannst du jetzt ebenfalls schon loslegen, da manche Kulturen ab Januar und Februar im Haus in Aussaatschalen ausgesät und kultiviert werden können. Das gilt beispielsweise für Roten Sonnenhut (Echinacea purpurea), Artischocke (Cynara cardunculus L.), Knollensellerie (Apium graveolens var. rapaceum), Kopfsalat (Lactuca sativa var. capitata) oder Blockpaprika (Capsicum annuum).

Frühe Möhrensorten (Daucus carota subsp. sativus) können ab Ende Februar sogar ohne Vorkultur im Haus direkt ins Gemüsebeet gesät werden. »Es ist jedoch unbedingt darauf zu achten, andere, kälteempfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freiland zu pflanzen«, rät Dr. Popp.

Wir verzichten in diesem Jahr wohl komplett auf die Vorkultur im Haus. Die Versuche im letzten Jahr waren nämlich ein absoluter Reinfall. Was zunächst nach einem Riesenerfolg mit Töpfen und Anzuchtschalen voller gesunder, starker Bio-Sämlinge aussah, entpuppte sich nach endlosen Regentagen mit dem damit einhergehendem Lichtmangel als Desaster. Die jungen Pflänzchen geilten aus, kippten um und starben. Also viel Mühe und Liebe für nichts. In diesem Jahr werden wir daher Setzlinge hauptsächlich kaufen.

Gartenvögel

Und auch an tierische Gartenbewohner solltest du als Naturfreund jetzt denken und Nistkästen aufstellen. Denn sobald die Temperaturen milder werden, beginnt für viele Gartenvögel die Brutzeit. Und welcher Naturfreund kann sich das Frühlingserwachen des eigenen Gartens schon ohne das Gezwitscher von Amsel, Blaumeise und Co. vorstellen? Wir jedenfalls nicht.

Und auch für reichlich Mauerbienennachwuchs wollen wir sorgen und zusätzlich zu den »wild« eingenisteten Bienen eine frische Mauerbienenpopulation für unser BeeHome bestellen. Ab April wird dann hier fleißig gewerkelt und gebastelt: Wir wollen neue Insektentränken bauen und Unterschlupfe für Schmetterlinge, Schwebfliegen und Ohrenkneifer bereitstellen.

Sissis Resümee

Unsere Gartenplanungen für das neue Gartenjahr laufen auf Hochtouren. So wollen wir unsere Range an Tischhochbeeten erweitern und mindestens ein Gartenhochbeet aus Palettenaufsätzen aufstellen. Außerdem stehen bei uns Wildstauden hoch im Kurs. Meine Wunschliste wird länger und länger … Ab März ist auch die Bio-Gärtnerei unseres Vertrauens wieder geöffnet und ich freue mich schon sehr darauf, mich im Schaugarten inspirieren zu lassen und mit den Gärtnerinnen und Gärtnern vor Ort zu fachsimpeln.

Natürlich lassen sich nicht alle Wünsche und Ideen 1:1 umsetzen. Unser Gartenumschwung ist ausgesprochen »ver-rückt« (Ich muss dazu wirklich mal eine eigene Seite erstellen!) und für viele Projekte auch schlicht zu klein. Dennoch lässt sich vor allem für die Insektenwelt viel tun, ohne dass unsere eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen. Und da wir wissen, dass viele Menschen einen eher kleinen Garten oder Balkon haben, möchten wir in diesem Jahr verstärkt Projekte mit dir teilen, die sich selbst mit wenig Platz realisieren lassen.

Richtig aufregend finde ich unser Brainstorming zu einer Feuchtwiesenschale für die Terrasse und einem Sumpfhochbeet für den Balkon! Beides ist ein von mir langgehegter Gartentraum, den ich in diesem Jahr endlich umsetzen möchte. Im Gespräch sind unter anderem Wildpflanzen wie Kriechender Sellerie (Apium repens), der allerdings auch von Nacktschnecken geliebt wird, Bachnelkenwurz (Geum rivale), toll als Bienen- und Schmetterlingsweide, Heilpflanze und Wildgemüse, oder auch Grosser Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), lecker in Salaten und Kräuterbutter und Nahrungsquelle für Bienen, Ameisen und Schmetterlinge.

Wir haben viel vor. Unterstützung holen wir uns dafür bei Gesprächen mit Experten sowie in zahlreichen Gartenratgebern. Du darfst dich daher in den kommenden Monaten neben vielen gartenbunten DIY-Ideen auch auf die Vorstellung aktueller Gartenbücher freuen.

Wir sehen uns im Garten!

XOXO

Sissi

[Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Quelle: Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege (BLGL) und eigenes Gartenglück. Artikelbild: Gartenutensilien, kuratiert von ZoomTeam via Adobe Stock.]